Männliche Jugendliche fallen in den Schulleistungen gegenüber Mädchen ab. Dies habe einen triftigen Grund, meint dazu der deutsche Kiminologe und Jugendgewaltforscher Christian Pfeifffer.

(SSF/im.) Der Jurist und Kriminologe Christian Pfeiffer hat an der katechetischen Jahrestagung der Landeskirchen beider Basel am Samstag (9.11.13) zur brisanten Frage Stellung genommen. Der Direktor des kriminologischen Forschungsinstituts in Niedersachsen und ehemalige Justiziminister dieses Bundeslandes lehnte die allgemein akzeptierte These ab, dass die Feminisierung der Schule durch immer Mehr Frauen in den Lehrberufen Ursache für den Misserfolg der Knaben sei. Er hat dazu eine breit angelegte Studie mit 45'000 Jugendlichen gemacht, welche zeigt, dass sich die Jungs von den Lehrerinnen im Vergleich zu den Mädchen nicht benachteiligt fühlen.

Das Medienverhalten

Laut Pfeifer zeigen dagegen die Zahlen für das Medienverhalten von Buben und Mädchen grosse Unterschiede: 38% der Jungen haben schon mit 10 Jahren eine eigene Spielkonsole gegenüber 16% der Mädchen. Sie verbringen eklatant mehr Zeit im Internet und konsumieren auch viel früher und häufiger jugendgefährdende Inhalte. Der Forscher konnte nachweisen: Je mehr Zeit Kinder und Jugendliche im Internet verbringen und je brutaler die Inhalte sind, desto schlechter sind die Noten der jugendlichen Nutzer. 15-jährige Jungs verbringen im Durchschnitt 2,5 Stunden mit Computerspielen, dazu kommt noch der Internetkonsum und das Fernsehen. Mädchen gamen in diesem Alter durchschnittlich nur 15 Minuten pro Tag. 8% der betroffenen Knaben gelten als Spiel- und Internet-süchtig.

Die Rolle der Väter

Ein Schlüssel für eine Verhaltensänderung ist laut Pfeiffer ein verstärktes Engagement der Väter für ihre Söhne. 2/3 der heutigen Väter schaffen es laut dem Forscher nicht, liebevoll mit ihren Söhnen umzugehen. Pfeiffers Forderung lautet daher: Es braucht eine weltweite Kampagne für mehr Liebe der Väter gegenüber den Söhnen!

Schulen für das Leben

Dennoch entlässt der Kriminologe auch die Schule nicht aus der Verantwortung: “Wir brauchen Schulen, die das Leben ansprechen und die Kinder mitreissen“, so Pfeiffer. Die Schule müsse in den Jugendlichen eine Begeisterung und Leidenschaft wecken, die höher ist als die Faszination für das Computerspiel. Dazu könnten die Schulen in Neuseeland ein Beispiel abgeben, wo nur Lehrer unterrichten dürfen, die selbst leidenschaftlich ein Hobby betreiben und damit auch die Kinder anstecken. Oder indem die Schule wesentlich mehr als heute einer kreativen Bewegungskultur Raum gebe, welche sich direkt auf das Lernverhalten auswirke. Generell gelte die Devise: Kinder brauchen Aufgaben, Vorbilder und Gemeinschaften, in denen sie sich aufgehoben und wohl fühlen. Dann würden sie auch gute Schulleistungen erbringen.