«Frauen müssen sich dafür rechtfertigen, wenn sie das tun.» So äusserte sich kürzlich eine 38-jährige Frau im privaten Gespräch. Worüber sprach sie? Dass Frauen auch Berufskarriere machen oder einmal einen Seitensprung ohne schlechtes Gewissen haben wollen?

 

(SSF/na) Nein. So oder ähnlich äussern sich Frauen, wenn man sie darauf anspricht, dass sie wegen der Erziehung ihres Kindes zuhause bleiben; dass sie also in den ersten drei Lebensjahren ihres Kindes keiner entlohnten Beschäftigung nachgehen.

Die oben zitierte Aussage stammt von einer Journalistin. Sie ging in Elternurlaub, bevor sie ihr erstes Kind bekam. Bis dahin war sie in der Redaktion einer Tageszeitung fest angestellt, absolvierte zuvor ein Magisterstudium und arbeitete als Lektorin.

Es geht um viel mehr

In Deutschland läuft eine schwer nachvollziehbare Debatte, um die Frage, was eine finanzielle Anerkennung (mehr sind 150 Euro im Monat ja nicht) erreichen kann und soll, die denen zukommt, die ihre Kinder in den ersten drei Jahren selbst betreuen.

Vordergründig hat sich diese Diskussion am Betreuungsgeld entfacht, dass ab August 2013 gezahlt werden soll. Aber es geht um viel mehr, als um das Pro und Contra zu dem Gesetz. Es geht um die Frage, welchen Wert die Gesellschaft der Erziehungs- und Betreuungsleistung beimisst; übrigens auch dann, wenn sie von Männern geleistet wird.

Gegner des Betreuungsgeldes bezeichnen es verächtlich als «Herdprämie». Zudem unterstellen sie offen oder verdeckt, dass Eltern sich weniger um das Wohl ihres Kindes bemühen und vor allem weniger für ihre Lern- und Berufsweg tun können als Krippen. Die Welt scheint Kopf zu stehen.

Bequem und unselbständig?

Mittlerweile ist es also so, dass sich Frauen dafür entschuldigen müssen, wenn sie sich für sich die Berufe «Mutter» und «Hausfrau» entscheiden. Unverständnis ist aber nur die eine Seite der Abweisung, die diese Frauen erleben: Sie müssen zudem mit dem Verdacht leben, als bequem und unselbständig zu gelten und lieber dem Mann auf der Tasche zu liegen als selbst arbeiten zu gehen.

Und Männern geht es nicht besser: Lassen Sie sich einmal von sogenannten «Hausmännern» berichten, wie ihr Umfeld nach einem ersten beeindruckten «Oho-Effekt» meist etwas mitleidig auf den Beruf «Hausmann» reagiert. Von echter Wertschätzung keine Spur!

Kein Lohn - kein Nutzen?

Mütter wie Väter erleben nahezu keine gesellschaftliche Anerkennung für ihre Arbeit «am Kind», weil sie dafür keinen Lohn nach Hause bringen und die Leistung keinen greifbaren wirtschaftlichen Nutzen zu haben scheint.

«Vor allem unter Frauen, die einen ähnlich hohen Bildungsstand haben, betrachten viele die Entscheidung die Arbeit aufzugeben und beim Kind zu bleiben, als falsch, ja geradezu weltfremd.»

Wer nicht unerschütterlich in sich ruht ...

«Doch es gibt nicht nur die mangelnde Anerkennung für die Entscheidung zuhause zu bleiben», so die 38jährige Journalistin weiter, «sondern auch für die Arbeit, die man zuhause bewältigt.» Wenn man nicht unerschütterlich in sich ruht und um die Richtigkeit seiner Entscheidung weiss führt dies zu einer Erosion des Selbstwertgefühls, der man sich sonst kaum entziehen kann.

Dabei leisten Sie, auch dann, wenn es Männer sind, Schwieriges, vor allem aber Bedeutendes. Sie arbeiten daran, einen Menschen auf den Lebensweg zu bringen, seine Identität und sein Selbstverständnis zu prägen, seine Bildung, seine Fähigkeit mit anderen umzugehen, seine Fähigkeit Erfahrungen zu machen und sich Wissen anzueignen und vieles mehr. Es ist das bei weitem wichtigste wie anspruchsvollste Projekt, das unsere Leistungsgesellschaft zu bieten hat. In diesem Zusammenhang dann von «nur Hausfrau» zu sprechen ist einfach nur daneben!