Besonders Mütter leiden oft an den Auseinandersetzungen mit ihren Kindern in der Pubertät. Besonders dann, wenn sie auf ihre Mutterrolle fokussieren. Dies stellt Beate Schwarz, Privatdozentin am Departement für Angewandte Psychologie an der ZHAW, fest.

(SSF/im.) Eltern seien, so Beate Schwarz, während der Pubertät ganz besonders gefordert, die Balance zwischen Nähe und Autonomie zu finden. Einerseits hätten sie Verantwortung für die Entwicklung des Jugendlichen zu tragen und sie zu fördern. Andererseits streben die Pubertierenden nach Autonomie und wollen sich abgrenzen. Beate Schwarz bringt die optimale Haltung der Eltern auf den kurzen Nenner: „So viel Autonomie wie möglich – so viel Kontrolle wie nötig.“

Im Gespräch bleiben

Wichtig sei, dass die Eltern über die Aktivität des Teenagers informiert seien und mit ihm im Gespräch bleiben. Dies, obwohl heute Teens grundsätzlich immer weniger Zeit mit den Eltern verbringen, wozu auch die Entwicklung der modernen Medien beiträgt. Eltern müssten daher das Gespräch mit den Jugendlichen über ihre Freizeitaktivitäten immer wieder suchen. Jugendliche seien in der Regel bereit, sich zu öffnen, wenn sie wissen, dass sie dabei nicht in Konflikt mit den Eltern geraten. Dabei müssten klare Regelungen bezüglich Ausgang, insbesondere zu den Rückkehrzeiten festgelegt werden. Dies verringere die Gefahr, dass Jugendliche in riskante Peer-Gruppen geraten.

Damit sich Jugendliche gegenüber den Eltern öffnen, müsse eine liebevolle Beziehung gepflegt und den Pubertierenden Vertrauen entgegengebracht werden. Eltern müssten ihnen als „verlässliche Bindungsfigur“ zur Verfügung stehen. Jugendliche seien dann bereit, über das zu reden, wovon sie dächten, dass die Eltern ein Recht haben, es zu wissen.

Dieses Gespräch könnte Jugendliche davor bewahren, in riskante Beziehungen zu geraten und ein antisoziales Verhalten zu entwickeln, so Schwarz. Das Risiko wachse, wenn Jugendliche ihre Freizeit unüberwacht verbringen. Andererseits dürften sie sich nicht überkontrolliert fühlen und den Eindruck gewinnen, dass die Eltern ihre Freunde nicht mögen.

Problempunkt Mediennutzung

Im Blick auf die Mediennutzung sind die Eltern gefragt, die Jugendlichen daran zu erinnern, dass sie in sozialen Netzen nicht nur die Privatsphäre Einstellungen tätigen, sondern diese regelmässig auch aktualisieren. Dazu müssten sich die Eltern selbst informieren, sich für die Mediennutzung ihres Nachwuchses interessieren und die Kinder kompetent auf die Gefahren hinweisen. Laut der JAMES-Studie machen sich 50% der jugendlichen Mediennutzenden keine Sorge über ihre Privatsphäre. 17% der Nutzer hätten daher schon Erfahrungen mit Cyber-Mobbing gemacht.