Cover Wenn die Tyrannenkinder erwachsen werden Nach dem Lesen dieses Buches möchte man am liebsten den Ausdruck "Kindeswohl" zum Unwort des Jahres erklären. Auch wenn die Autorin die "krassen" Fallbeispiele aus ihrer Praxis zitiert und diese sich längst nicht auf alle Kinder verallgemeinern lassen, wird das Wort "Kindeswohl" doch oft gerade von diesen Eltern bemüht, die die Autorin an den Pranger stellt.

Der Titel lässt darauf schließen, dass etwas mit den Kindern nicht stimmt. Aber im Text wird bald einmal klar, dass es eigentlich die Eltern, die Schreibtisch-Pädagogen und nicht zuletzt die aktuellen Werte der Gesellschaft sind, die die Kinder zu Tyrannen werden lassen. Es ist die Erziehungskultur, welche keine Grenzen setzt, weil die Eltern nicht die Bösen sein wollen: "Du darfst selber entscheiden, du darfst ausprobieren, wozu du gerade Lust hast, Hauptsache, es macht dir Spaß..." Aber als Gegenleistung wird von den Kindern ewige Zuneigung erwartet ("du bist eine super Mutter/Vater"), aber auch gute Leistungen. Die Kinder werden so nicht auf die reale Welt vorbereitet.

Die Autorin fragt sich, was für Werte den heutigen Kindern mitgegeben werden und wie sich diese in der Gesellschaft entfalten werden: Abgeschobene Kinder werden ihre Eltern auch einmal abschieben, prognostiziert sie. Nicht erst ins Altersheim, sondern emotional schon vorher.

Vielen Eltern und Pädagogen wird mit diesem bewusst plakativen Inhalt einen Spiegel vorgehalten. Auch wenn man nicht zu den extremsten Narzissten-Eltern dieser Generation gehört, denen Selbstverwirklichung, Freiheit und Selbstdarstellung das höchste Gut ist, findet man sich in dem einen oder anderen Gedankengang oder einer Wertvorstellung vielleicht doch wieder. Dann ist es gut, sich von Martina Leibovici-Mühlberger hinterfragen zu lassen. Da die Autorin mehrheitlich beim Anprangern stehen bleibt, muss man sich weitere Bücher suchen, in denen die erstrebenswerten Erziehungs- und Lebenswerte dargestellt werden.

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