Ein Forscherteam um Andrea Lanfranchi von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) in Zürich verglich in einer Studie Kinder, die vor der Kindergartenzeit entweder ausschliesslich zu Hause bei den Eltern aufwuchsen oder aber einen Teil ihrer Zeit in einer Krippe, einer Spielgruppe oder in einer Tagesfamilie verbrachten. Die Studie sollte eigentlich belegen, dass sich die frühe familienexterne Betreuung nachhaltig positiv auf den Schulerfolg auswirkt. Doch das Resultat fiel anders als erwartet aus.

(SSF/PD/im.) Eine erste Untersuchung hatte ergeben, dass die familienergänzend betreuten Kinder beim Schuleintritt weiter entwickelt waren: Die Lehrerinnen und Lehrer beurteilten ihre sprachlichen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten klar besser als jene von Kindern, die ganz im Kreis der eigenen Familie aufgewachsen waren.

Nun haben Lanfranchi und sein Team untersucht, ob dieser positive Effekt im Lauf der Schulzeit anhält oder nicht. Dabei zeigte sich, dass die familienergänzende Betreuung nicht mehr viel zum Schulerfolg beitrug. Viel wichtiger waren andere Faktoren, insbesondere die Lernziele der Eltern: Wenn sie für ihre Kinder mehr als einen Sekundarschul- oder Lehrabschluss anstreben, haben diese eine 12-mal höhere Schulerfolgs-Wahrscheinlichkeit.

Auch der Bildungshintergrund der Eltern und die Nationalität beeinflussen den nachhaltigen Erfolg in der Schule stark. Von den verschiedenen Betreuungsangeboten ausserhalb der Familie – vor und während der Schulzeit – scheint laut der Studie nur das Mitmachen des Kindes in einem Freizeitverein (Jugendgruppe, Sport, Musik) den Schulerfolg positiv zu beeinflussen.

Lanfranchi konstatiert jetzt, dass allein der Krippenbesuch für den Schulerfolg nicht genüge, insbesondere bei Kindern aus bildungsfernem Milieu. „Da waren wir reichlich naiv mit unserem Glauben an die Kindertagesstätten als Allheilmitttel für die Chancengleichheit“, gesteht der Forscher. Der Krippenbesuch sei offenbar keine Garantie für die Kompensation von Entwicklungsproblemen.

Bei der Förderung von Kindern aus der Unterschicht, insbesondere Immigranten aus bildungsfernen Kulturen, will Lanfranchi daher möglichst gleich nach der Geburt beginnen. Dazu sollten zum Beispiel Mütterberaterinnen Hausbesuche bei den betroffenen Familien machen.

Ob die Betroffenen diese Hilfe eher als Einmischung in ihre privaten Angelegenheiten oder als Hilfe empfinden werden, wird sich in der Praxis zeigen. Die schulische und berufliche Integration von Migrantenkindern aus andern Kulturen wird so oder so eine Herausforderung bleiben, die neue Ideen erfordert.

Ein Forscherteam um Andrea Lanfranchi von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) in Zürich verglich in einer Studie Kinder, die vor der Kindergartenzeit entweder ausschliesslich zu Hause bei den Eltern aufwuchsen oder aber einen Teil ihrer Zeit in einer Krippe, einer Spielgruppe oder in einer Tagesfamilie verbrachten. Die Studie sollte eigentlich belegen, dass sich die frühe familienexterne Betreuung nachhaltig positiv auf den Schulerfolg auswirkt. Doch das Resultat fiel anders als erwartet aus.