Kindertagesstätten erhielten ein Handbuch, das die Leitenden für die genderneutrale Verhaltensweisen der Kinder sensibilisieren sollte. Jetzt gibt Reinhard Winter Gegensteuer. Der Dozent an den Fachhochschulen von Basel und Winterthur macht auf die eindeutigen geschlechtsspezifischen Unterschiede und Bedürfnisse aufmerksam.

(SSF/im.) Der Autor bekennt sich zur trivialen Aussage: "In manchen Dingen sind Jungen einfach verschieden von Mädchen. Während der Genderismus alles daran setzt, die Unterschiede zu verwischen, macht er auf offensichtliche Verhaltensweisen aufmerksam, mit denen sich die Buben von den Mädchen unterscheiden."

In der Zeitung Nordwestschweiz sagt der Diplom-Pädagoge in einem Interview: "Erstens haben Buben mehr Testosteron im Körper. Das wirkt auch aufs Interesse am Status. Jungen wollen wissen, welche Position sie haben.“ Zudem befänden sich Buben in konstanter Auseinandersetzung mit Männlichkeitsbildern. Dazu gehöre auch, dass sie von den Eltern wissen wollen, ob diese geeignet sind, sie zu führen. Gerade auch, weil die Beziehung der Knaben zu den Eltern tendenziell unsicherer sei als jene der Mädchen. Denn: "Jungen fordern mehr Halt und Orientierung von den Eltern ein als Mädchen."

Jungen brauchten zwar auch Liebe und Fürsorge, aber auch viel Klarheit. Dies äussere sich im Bedürfnis, geführt zu werden. "Wenn das nicht befriedigt wird, fangen sie an, auszuscheren", so Reinhard Winter. Sie begännen dann auch, im Kindergarten und in der Schule Schwierigkeiten zu machen.

Unterschiede erkennen und sich darauf einstellen

Führung bedeute, dass sich Eltern mit Bestimmtheit äussern, was sie vom Jungen erwarten. Die Führung solle aber auf der Beziehungsebene geschehen, nicht mit Lautstärke. Falls es zur Eskalation komme, dürften sich Eltern aber auch nicht davor fürchten, mal etwas auf Distanz zu gehen, bis sich die Lage abgekühlt habe. Manchmal brauche es auch klare Grenzen. Wenn die Grundbeziehung stimmt, trägt sie auch über schwierige Situationen hinweg. Wichtig ist, dass Eltern sich nicht schwammig oder unklar verhalten.

Was Kindertagesstätten und Schulen betrifft, erwartet Winter, dass sich Betreuende und Lehrpersonen konkret auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der beiden Geschlechter einzustellen wissen. Jungen und Mädchen sollen sich in ihren Erlebnis- und Entwicklungsbedürfnissen unterscheiden dürfen. „Und diese sind in der Tendenz in manchen Bereichen verschieden."

Die persönliche Autorität entwickeln

Zum Problem der Feminisierung der Primarschule, welche die Buben benachteiligt, mahnt Winter eine professionelle Haltung an: "Wenn auch Frauen in der Primarschule Kindern ein stabiles Gegenüber bieten und sie führen können, dann hilft das den Jungen." Und weiter: "Lehrerinnen und Lehrer sollten deshalb ihre persönliche Autorität gut entwickeln – so wie Eltern auch."