Familienecke
| Schule: Bildung setzt Bindung voraus |
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Vorbehalte von Eltern, das eigene Kind ausserhalb der Familie in einer Krippe betreuen zu lassen, stossen in der veröffentlichten Meinung auf Unverständnis. Zu Unrecht. (SSF/i-DAF) Besonders in ihren ersten Lebensjahren sind Kinder sehr verletzlich und existentiell von der Pflege durch vertraute Bezugspersonen abhängig. Um ihr Überleben zu sichern, entwickeln Säuglinge deshalb enge Bindungsbeziehungen an vertraute Bezugspersonen. Zu diesem Zweck kommunizieren sie mit den Betreuungspersonen, die ihre leiblichen Bedürfnisse befriedigen und mit ihnen spielen. Die Qualität dieser Beziehungen ist davon abhängig, wie feinfühlig die Betreuungspersonen auf die physischen und psychischen Bedürfnisse des Kindes eingehen. Solche sicheren Beziehungen benötigen Kleinkinder, um die „Welt entdecken“ zu können. Bildung setzt Bindung voraus. Bindungen aber lassen sich nicht einfach herstellen und beliebig austauschen. Zwar können kleine Kinder durchaus zu mehreren Personen engere Bindungen aufbauen. Diese Beziehungen sind jedoch eindeutig hierarchisch geordnet, das Kind bevorzugt eine Bindungsperson vor den anderen. Diese Person ist meistens die leibliche Mutter. Um sich emotional und sozial gesund zu entwickeln, müssen Kinder daher sichere Bindungsbeziehungen zu ihren Müttern entwickeln. Unerlässlich hierfür sind genügend Zeit und physische Nähe, denn längere Trennungen von ihrer Mutter lassen Kleinkinder leiden. Lange Zeiten der Fremdbetreuung (mehr als 30 Wochenstunden) beeinträchtigen regelmässig die Mutter-Kind-Bindung. Dies bleibt nicht ohne Folgen: Wie Langzeitstudien belegen, stören unsicher gebundene Kinder später in der Schule häufiger im Unterricht und zeigen mehr Verhaltensauffälligkeiten. Schädlich für das Bindungs- und Sozialverhalten von Kindern ist es auch, wenn Erzieherinnen in Tagestätten zu häufig wechseln oder (wegen zu grosser Gruppen) nicht individuell auf die Kinder eingehen können. Aufgrund solcher empirischer Erkenntnisse hält es die Kinderpsychologin Fabienne Becker-Stoll vom deutschen Staatsinstitut für Frühpädagogik „nur bei bester Qualität für vertretbar“, Kinder ganztägig ausserhalb der Familie zu betreuen. Entscheidend für die Betreuungsqualität seien kontinuierlich präsente und feinfühlig zugewandte Erzieherinnen. Nur unter diesen Umständen könne sich eine (zeitlich begrenzte) ausserfamiliäre Betreuung überhaupt positiv auf die kindliche Entwicklung auswirken. Dies gelte besonders für Kinder aus sozial benachteiligten bzw. bildungsfernen Familien. Ausgerechnet in den Ballungszentren in Westdeutschland, in denen besonders viele Kinder mit Migrationshintergrund leben, sieht Becker-Stoll die erforderliche Betreuungsqualität „nur sehr selten gewährleistet“. Das politische Versprechen des sozialen Fortschritts durch mehr Ganztagsbetreuung erweist sich somit als ungedeckter Scheck. Man könnte hingegen von einem politisch-medialen Mythos der staatlichen Ganztagsbetreuung sprechen, stellt das Institut für Demografie, Allgemeinwohl und Familie (i-DAF) fest. |


