Familienecke
| Warum der Kinderwunsch bei Männern schwindet |
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Frauen und Männer gründen nicht nur immer später und seltener Familien – sie wünschen sich auch weniger Kinder als früher. Die Ursachen dafür liegen nicht nur in veränderten Werthaltungen oder im individualistischen Lebensstil. (SSF/iDAF/im.) Zwar ist die Familie mit zwei Kindern noch immer die am häufigsten gewünschte Lebensform, zunehmend mehr Menschen wollen jedoch kinderlos bleiben. Dies stellt das Institut für Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V. (Berlin) fest. Es seien aber nicht nur die Frauen, die wegen der schwierigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder mangels eines geeigneten Partners bewusst auf Kinder verzichten. Häufiger noch als Frauen wünschen sich Männer keine eigene Familie, wie neue Erhebungen belegen: Im „Generations and Gender Survey“ gab etwa ein Viertel der deutschen Männer an, auf Kinder generell verzichten zu wollen. Ängste vor der traditionellen Rolle des Familienernährers können diese Zeugungsunlust nicht erklären: Wichtiger noch als die Höhe ihres Einkommens ist für Männer die Planungssicherheit: Für die grosse Mehrheit der Männer setzt die Familiengründung einen sicheren Arbeitsplatz voraus. Auch Frauen sehen – trotz ihrer gestiegenen Erwerbsneigung – die Arbeitsplatzsicherheit ihres Partners als eine zentrale Bedingung für die Geburt von Kindern an. Stabile berufliche Karrieren begünstigen deshalb den Kinderwunsch von Männern, niedrige Einkommen und unsichere Arbeitsmarktperspektiven sind ihm abträglich. Grundlegend für den Kinderwunsch von Männern ist allerdings weniger ihre materielle als ihre partnerschaftliche Lebenssituation: Anders als bei Frauen entsteht bei ihnen der Wunsch, eine Familie zu gründen, erst in konkreten Paarbeziehungen. Leben sie in einer auf (Lebens)Dauer angelegten Partnerschaft, wünschen sie sich kaum seltener Familie als Frauen: Etwa 90 Prozent der verheirateten Männer wie der verheirateten Frauen wünschen sich Kinder oder sind bereits Eltern. In nicht-ehelichen Paarbeziehungen lebende Männer wollen viel häufiger kinderlos bleiben und wünschen sich auch seltener Kinder als unverheiratete Frauen. Erklärbar sind diese Unterschiede mit der grösseren Stabilität von Ehen im Vergleich zu weniger institutionalisierten Partnerschaftsformen. Für den Kinderwunsch von Männern ist die Beständigkeit von Partnerschaften noch wichtiger als bei den Frauen, wie aus Umfragen hervorgeht. Beständige Beziehungen setzen die beiderseitige Bereitschaft voraus, sich langfristig zu binden. Grösser ist die Bindungsbereitschaft junger Männer, wenn sie schon in ihrer Herkunftsfamilie Verlässlichkeit erfahren haben. So ist es zu verstehen, dass sich Männer, die in einer „Normalfamilie“ mit beiden leiblichen Eltern aufgewachsen sind, häufiger eine (grössere) Familie wünschen als solche, die als Kind eine Trennung ihrer Eltern erlebten. Auch immaterielle Werte „jenseits von Angebot und Nachfrage“ sind für dauerhafte Bindungen bedeutsam. Darauf verweist der ausgeprägte Kinderwunsch von Männern, die religiös sind. Fazit: Gestiegene Trennungs- und Scheidungszahlen im Zuge des Trends zur „seriellen Monogamie“, der Bedeutungsverlust von Religion und die fortschreitende „Kolonialisierung der Lebenswelt durch die Ökonomie“ (Habermas) beeinträchtigen die Bindungsbereitschaft und sind damit wesentliche Ursachen für den gesunkenen Kinderwunsch besonders von Männern. Eine gesellschaftliche Wertediskussion erscheint aus dieser Perspektive heraus mehr als dingend. |


