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Manche Politiker und Publizisten halten die Ansicht, dass Kinder möglichst mit ihrer leiblichen Mutter und ihrem leiblichen Vater aufwachsen sollten, für „mittelalterlich“. Für das Wohlergehen und die Entwicklung von Kindern sei „nicht die Struktur der Familie, sondern die Qualität der innerfamilialen Beziehungen“ entscheidend. Was sagen Studien dazu?
(SSF/iDAF/im.) Die Schlüsselrolle der Beziehungsqualität in der Familie für das Wohlergehen von Kindern ist evident. Dass das Aufwachsen in einer „klassischen“ Familie mit beiden leiblichen (verheirateten) Eltern allein keine glückliche Kindheit garantiert, ist ebenso offensichtlich. Unbestreitbar ist auch, dass viele Alleinerziehende, Stief- und Adoptiveltern alles in ihren Kräften stehende für das Wohl der Kinder in ihrer Obhut tun. Es ist jedoch voreilig, deshalb die „Struktur“ von Familien als für das Kindeswohl unerheblich zu erklären: Denn sie prägt ihrerseits die Qualität der Beziehungen von Kindern zu ihren Eltern, insbesondere zu ihrem Vater. So zeigen Untersuchungen, dass Jugendliche und junge Erwachsene, die mit einem Stiefvater bzw. Partner der Mutter zusammenleben, viel seltener eine sehr positive Beziehung zu diesem Vater haben und sich von ihm unterstützt sehen als diejenigen, die mit ihrem leiblichen Vater in einer Kernfamilie aufwachsen. Häufiger als in Kernfamilien mit beiden leiblichen Elternteilen aufwachsende Kinder fühlen sich Kinder von ihrem (sozialen) Vater in Stieffamilien bestraft. Sie erleben mehr Stress und beurteilen das Klima in ihrer Familie tendenziell schlechter als Kinder aus Kernfamilien.
Dass sie – nach Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts – signifikant häufiger als Kinder aus Kernfamilien psychische Auffälligkeiten aufweisen, wird so verständlich. Erstaunlich ist allerdings, dass dies auch für Kinder aus Stief- bzw. Patchworkfamilien mit einem guten familiären Zusammenhalt gilt: Auch dieser Zusammenhalt (Zeit für Sorgen und Nöte der Kinder, gemeinsame Unternehmungen etc.) kann die nachteiligen Folgen der Trennung und des Fehlens eines leiblichen Elternteils (meistens des Vaters) nicht vollständig kompensieren. Für das Wohl von Kindern ist also nicht nur die „Qualität der innerfamilialen Beziehungen“ bedeutsam, sondern auch die „Struktur“ der Familie: Das Aufwachsen mit beiden leiblichen Eltern dient – nicht in jedem Einzelfall, aber in der Regel, der psychischen Gesundheit von Kindern.
Mit beiden biologischen Eltern aufwachsende Kinder sind nicht nur psychisch stabiler, sondern auch in der Schule erfolgreicher: Sie müssen seltener eine Klasse wiederholen, besuchen seltener Haupt- oder Sonderschulen und erreichen häufiger einen höheren Schulabschluss als Kinder von Alleinerziehenden und aus Patchworkfamilien. Dem „Kinderpanel“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zufolge wirkt sich die „Struktur“ der Familie sogar auf die Schulnoten aus: In Deutsch und Mathematik erzielen „Kernfamilienkinder“ bessere Ergebnisse als Kinder aus Stief- bzw. Patchworkfamilien. |