Familienecke
| Die Probleme von Kindern aus Patchwork-Familien |
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Kinder aus Patchworkfamilien verstossen am häufigsten gegen das Gesetz. Dahinter folgen Kinder alleinerziehender Mütter. Dies geht aus einer Untersuchung des Lausanner Kriminologen Marcelo Aebi hervor. (SSF/im.) Schon bisher war bekannt: Kinder alleinerziehender Eltern verstossen häufiger gegen das Gesetz als Kinder aus intakten Familien. Während bislang die Wissenschaft Kinder aus traditionellen Familien mit solchen aus „broken homes“ verglich, kümmerte sich der Lausanner Kriminologe jetzt auch um die Kinder aus Patchworkfamilien, deren Anteil heute auf ca. 15 % geschätzt wird. Laut einem Bericht der Weltwoche Nr. 13/09 kam er dabei auf folgenden Schluss: Jugendliche aus Patchwork-Familien neigen (noch) stärker zu kriminellen Handlungen als solche, die nur von einem Elternteil erzogen werden. Sie führen die Kriminalitätsrangliste an – vor den Jugendlichen mit einem alleinerziehenden Elternteil. Am wenigsten delinquent sind Jugendliche aus traditionellen Familien. Die Studien des Lausanner Teams um Professor Aebi sind Teil eines internationalen Forschungsprojekts über die „selbst berichtete Delinquenz“ von Jugendlichen. In dreissig Ländern werden dazu ausführliche Umfragen durchgeführt. Allein in der Schweiz befragten die Wissenschaftler 3648 Schüler zwischen 13 und 16 Jahren an 70 Schulen in 20 Kantonen. Der generelle Befund der Studie bestätigt sich mit einer Ausnahme bei allen Delikt-Arten: Stets bereiten Jugendliche aus Patchwork-Familien die grössten Probleme. Bereits 39,7 Prozent der Jugendlichen aus traditionellen Familien geben an, schon ein oder mehrere Male gegen das Gesetz verstossen zu haben. Bei Kindern mit einem alleinerziehenden Elternteil sind es 48,4 Prozent. Jugendliche aus Patchwork-Familien kommen auf 58,4 Prozent. Das Muster zeigt sich bei allen Delikten mit Ausnahme des Computer-Hacking. In diesem Bereich sind die Kinder von Alleinerziehenden an der Spitze. Dazu kommt: Jugendliche aus Patchwork-Familien sind öfter Opfer von Übergriffen. Marcelo Aebi führt die Unterschiede auf die unterschiedliche Eltern-Kind-Beziehung in den Familien zurück. Eine gute Beziehung der Kinder zu den Eltern sei ein „entscheidender Faktor“. Laut seiner Auswertung bestimmen in erster Linie drei Faktoren, ob Jugendliche straffällig werden: das (männliche) Geschlecht, „schwache Bindungen“ an die Eltern sowie ein niedriger Grad an „Überwachung“ und Betreuung durch die Eltern. Um zwei dieser drei Faktoren stehe es in Patchwork-Familien besonders schlecht. Doch gerade für diese Kinder habe sich die Statistik des Bundes bislang nicht interessiert, kritisiert der Kriminologe. Sie hätten einseitig auf die Kinder von Alleinerziehenden fokussiert. |


