Start Familie und Gesellschaft Bessere Beratung bei Pränatal-Untersuchungen gefordert

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Bessere Beratung bei Pränatal-Untersuchungen gefordert Drucken
Beobachtungen in Deutschland zeigen: Die vorgeburtlichen Untersuchungen sind zur Routine geworden. Wo damit Unregelmässigkeiten entdeckt werden, wird leicht auch die Abtreibung zur Routine.  

(SSF/PD) In der Debatte um sogenannte Spätabtreibungen haben sich jetzt deutsche Expertinnen für eine bessere Beratung betroffener Frauen vor und nach vorgeburtlichen Untersuchungen ausgesprochen. Die Pränataldiagnostik sei zum “Routineakt“ für Schwangere geworden, sagte die Vizevorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe, Jeanne Nicklas-Faust, bei einem Gespräch zum Thema Spätabtreibungen letzte Woche im Bundestag. Viele Frauen wüssten jedoch nicht, worauf sie sich einliessen.

Die Frauengesundheitsforscherin Irmgard Nippert sagte, während die Pränataldiagnostik immer mehr ausgeweitet werde, sei die Beratung auf der Strecke geblieben. Ihren Forschungen zufolge erhielten nur 18 Prozent der Schwangeren nach einem auffälligen Befund eine qualifizierte Beratung. Ein Drittel aller Frauen breche die Schwangerschaft nach einer solchen Diagnose innerhalb von drei Tagen ab. Nicklas-Faust ergänzte, nur die Hälfte von ihnen sei später sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Claudia Heinkel vom Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sagte, eine Entschleunigung sei im Interesse der Betroffenen und der Ärzte. Daher sei eine gesetzlich geregelte Mindestbedenkzeit sinnvoll. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte zum Auftakt des Expertengesprächs erklärt, Schwangere in einer Konfliktsituation bräuchten die Chance, über ihre Lage nachzudenken und auch einmal innezuhalten. Schmidt unterstützt einen Gesetzentwurf der Bundestagsabgeordneten Kerstin Griese (SPD) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne), der eine Mindestbedenkzeit vor dem Abbruch und eine Vermittlung durch die Ärzte in psychosoziale Beratungsstellen vorsieht.

Der Bundestag will voraussichtlich im April über mögliche Gesetzesänderungen im Bereich der Spätabtreibungen entscheiden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Frauen und Paaren in Konfliktsituationen nach der 12. Schwangerschaftswoche besser geholfen werden kann. Auch die Vermittlung in psychosoziale Beratungsstellen wird diskutiert. Gegner von Gesetzesänderungen streben Ergänzungen der Mutterschaftsrichtlinien an, um bessere Beratung zu ermöglichen. Am 16. März findet im deutschen Bundestag eine Anhörung zum Thema statt.