Familienecke
| Mütter, Erwerbstätigkeit und Familienzeit in Europa |
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Im Rahmen der „Lissabon- Agenda“ hat die EU das allgemeine Ziel einer Frauenerwerbsquote von 60 Prozent formuliert. Diese hat die Schweiz mit 72% schon längst übertroffen. Doch wie sieht es in den andern europäischen Ländern aus. (SSF/PD/im) Die in den letzten Jahren deutlich angestiegene Erwerbsbeteiligung von Frauen ist – wie der Arbeitszeitmonitor der Hans Böckler Stiftung darstellt – vor allem darauf zurückzuführen, dass Mütter „weitaus stärker als in den vergangenen zwei Dekaden am Arbeitsmarkt teilnehmen“. Ermöglicht wird diese Erwerbsbeteiligung von Müttern nicht zuletzt durch eine Zunahme der Teilzeitarbeit. Eine wichtige Rolle spielt auch die Familienpolitik. Teilzeitbeschäftigung von Frauen ist inzwischen in Europa weit verbreitet: So sind in den Niederlanden sogar drei von vier Frauen in Teilzeit erwerbstätig. Auch in Frankreich ist ein Trend hin zur Teilzeitbeschäftigung von Müttern zu beobachten. Seit der Reform des Erziehungsgeldes im Jahr 2004 wird die Teilzeitarbeit von Müttern kleiner Kinder finanziell unterstützt: Mütter können zwischen einem Erziehungsgeld von 533 Euro bei Aufgabe der Erwerbstätigkeit und 406 Euro Erziehungsgeld bei einer Teilzeittätigkeit bzw. 307 Euro bei einer nur auf 50-80 Prozent der Arbeitszeit reduzierten Erwerbstätigkeit wählen. Ziel dieser Erziehungsgeldreform war es, die Wahlfreiheit für Eltern zwischen häuslicher und öffentlicher Kinderbetreuung zu verbessern, ein zentrales Leitmotiv französischer Familienpolitik. Auch Deutschland hat mit einer Frauenerwerbsquote von 62 Prozent das EU-Ziel bereits 2006 übertroffen. Auch die Teilzeitquote bei Frauen ist in Deutschland zwischen 2001 und 2006 von 39,9% auf 45,8% angestiegen. Das Leitbild der schwedischen Gesellschaftspolitik war dagegen seit den 70er Jahren die Norm der Doppelverdienerfamilie. In Schweden zwingen die Individualbesteuerung von Ehegatten und die individualisierte Altersvorsorge Frauen wie Männer zur möglichst kontinuierlichen Erwerbsarbeit. Trotz des Erwerbsdrucks verzichten auch in Schweden viele Mütter von Vorschulkindern auf eine Vollzeitarbeit. Zugleich bemängeln schwedische Frauen besonders häufig, dass der Zeitaufwand für berufliche Verpflichtungen sie in ihren familiären Aufgaben beeinträchtige. Vor diesem Hintergrund ist in Schweden eine Art „Volksbewegung für das Hausfrauenmodell“ entstanden. Sie hat erreicht, dass 2008 ein Betreuungsgeld für Eltern, die ihre unter dreijährigen Kinder selber erziehen, eingeführt worden ist. In Finnland und Norwegen werden schon seit den 90er Jahren Betreuungsgelder an Eltern ausbezahlt, die keinen Betreuungsplatz in einer Einrichtung in Anspruch nehmen und ihre Kinder stattdessen lieber selbst erziehen. Dass der Zeitaufwand für den Beruf zu Lasten ihrer Familie gehe, bemängeln Frauen hier wesentlich seltener als in Schweden. Noch seltener als in Finnland und Norwegen sind Frauen in den Niederlanden mit der Balance zwischen Erwerbstätigkeit und Familie unzufrieden. Besonders häufig bemängeln dagegen neben schwedischen auch britische und US-amerikanische Frauen, dass der Zeitaufwand für Erwerbstätigkeit auf Kosten ihrer Familie gehe. Ökonomische Zwänge hin zur Vollzeitarbeit beider Eltern sind also offenkundig dem Familienleben abträglich. Vergütete Erziehungs-zeiten für Eltern und Möglichkeiten der Teilzeitarbeit stärken dagegen die Wahlfreiheit von Eltern, verbessern die Balance zwischen Erwerbs- und Familienleben und ermöglichen die persönliche Sorge für betreuungsbedürftige – junge wie alte – Familienangehörige. (iDAF) |


